Das Zusammenleben gestalten
Rendez-vous No. 18

Ein funktionierendes Gemeinschaftsleben braucht mindestens zwei Zutaten: Räume, in denen es sich überhaupt entfalten kann, und engagierte Menschen, die es gestalten. Für ersteres sorgt die Stiftung Habitat, für letzteres Trinidad Moreno und Paula Borer, die zusammen den Wohnverein «efa» in unserer allerersten Wohnüberbauung an der Elsässerstrasse 7, Fatiostrasse 23/25/27 leiten.

Spontaner Entschluss

Es ist ein lauer Sommerabend; der Garten im Innenhof der Überbauung liegt ruhig da und erholt sich von der Hitze. In den vier Wohnhäusern rundherum leben vorwiegend Familien in 33 unterschiedlich grossen Wohnungen. Ich sitze am Tisch mit zwei freundlichen, aufgeschlossenen Frauen, die mir im Gespräch ein Bild des Gemeinschaftslebens an diesem Ort malen. 2022 haben sie das Co-Präsidium des Wohnvereins «efa» übernommen – zu einem Zeitpunkt, als die Vereinsaktivitäten durch die Coronapandemie und den Wegzug des vorigen Präsidenten zum Stillstand gekommen waren. «Wir haben uns auf der Strasse getroffen und ganz spontan diesen Entschluss gefasst», erinnert sich Trinidad. «Es durfte einfach nicht sein, dass der Verein und damit das Gemeinschaftliche stirbt!»

Es war ein guter Entschluss: Trinidad Moreno, Szenografin, und Paula Borer, Kulturmanagerin, verstehen sich bestens, ergänzen sich in ihren Stärken und haben spürbar Freude an der Zusammenarbeit. Die beiden treffen sich auch in ihrer grossen Wertschätzung des Gemeinschaftlichen: «Manchmal ist es für mich schon selbstverständlich geworden, was wir hier für Möglichkeiten haben, aber im Gespräch mit anderen merke ich immer wieder, das ist es überhaupt nicht!», sagt Paula. Trinidad geht noch einen Schritt weiter: «Meine Familie ist in Spanien – hier ist meine andere Familie. Vor allem mit Kindern ist eine solche Gemeinschaft enorm wertvoll. Ich bin sehr dankbar, dass wir hier wohnen dürfen».

Der Weg ins Unbekannte

Beide wussten vor ihrem Einzug nicht, was auf sie zukommt. Bei Trinidad war es ihr damaliger Partner, der sich vor 20 Jahren um eine Wohnung für die Familie bewarb. Sie gehörten also zu den ersten Mietenden und engagierten sich von Anfang an im Verein. «Ich kannte ein solches Gemeinschaftsleben nicht und bin immer noch überrascht, dass es mit so vielen unterschiedlichen Menschen ziemlich gut funktioniert», sinniert Trinidad. Es gab eine Zeit, da wollte sie ausziehen. Sie träumte von einem eigenen Garten, fand eine neue Wohnung, zahlte die Kaution und begann, sich von der Nachbarschaft zu verabschieden. «Da bekam ich die Krise», erzählt sie. «Ich realisierte, wie traurig ich war. Ich konnte nicht weggehen! Also habe ich alles rückgängig gemacht.»

Auch Paula kannte diese Wohnform nicht, als sie vor zehn Jahren mit einem kleinen Kind und schwanger einzog. «Meinen Mann und mich hat dieses Modell gereizt, aber wir wussten nicht, was uns erwartet. Als wir uns bei der Stiftung für die Wohnung bewarben, wurde uns das Engagement im Verein sehr nahegelegt (lacht). Wir meldeten uns also für den Vorstand», erzählt sie und gesteht: «Am Anfang hat es mich überfordert. Viele Familien kannten sich schon gut, Gewohnheiten waren eingespielt, und der Vorstand war gross, weil sich bis heute dort die engagierten Leute zusammenfinden. Ich brauchte eine Weile, bis ich wirklich angekommen war.»

Zahlreiche Gemeinschaftsräume

Was läuft denn nun eigentlich an sozialem Miteinander in der Überbauung? Beginnen wir mit den verschiedenen Räumen: Den Gemeinschaftsraum, ausgestattet mit einer Küche, können die Mietenden gegen Entgelt für Geburtstage und andere Feiern nutzen. «Vor zwei Jahren hat eine Arbeitsgruppe ein Konzept für die Neugestaltung des Raums entwickelt, das wir mithilfe der Stiftung umsetzen konnten», berichtet Paula. Eine Person aus dem Vorstand koordiniert seit vielen Jahren die verschiedenen Nutzungen. Im Winter organisiert der Verein ein Fondueessen für alle, und natürlich findet die GV des Wohnvereins hier statt. Der Verein «Freiplatzaktion Basel», Mieter im Erdgeschoss der Elsässerstrasse 7, nutzt den Raum für Deutschkurse.

Weiter gibt es eine gut ausgestattete Werkstatt zum Schreinern, Malen und Veloreparieren, die mal mehr, mal weniger genutzt wird. Man muss sich dafür anmelden, denn für manche Maschinen braucht es eine Instruktion. Der Musik- und Jugendraum hingegen ist mit dem Wohnungsschlüssel zugänglich. Hier stehen zwei Schlagzeuge und ein Keyboard; Mietende üben Dudelsack und Trompete oder singen. Auch der Raum mit Pingpongtisch ist immer zugänglich. Wer Lust hat, arbeitet im Garten mit: Im Bauerngarten wachsen Gemüse und Blumen. «Das Klettergerüst und die Nischen für die Kinder haben wir auf deren Wunsch gebaut. Dafür gab es einen Beteiligungsworkshop», erklärt Paula. «Seither ist der Hof viel schöner und wilder geworden.» Das Gastzimmer können die Mietenden für ihren Besuch – zum Beispiel Verwandtschaft aus dem Ausland – gegen einen Unkostenbeitrag buchen. Es wird seit kurzem von einer Vierergruppe verwaltet, nachdem die vorherige Verantwortliche nach 18 Jahren aufgehört hatte.

Anlässe für die Gemeinschaft

Der Verein macht aber noch mehr: Er organisiert Anlässe für die ganze Gemeinschaft beziehungsweise für diejenigen, die sich beteiligen möchten. Im Sommer gibts Paella, im Advent wird die Linde als Weihnachtsbaum geschmückt, und an den Garten- und Aufräumtagen wird gemeinsam gearbeitet. Ab und zu feiert man spontan, zum Beispiel am 1. August. Gefragt nach dem Kern ihrer Arbeit als Co-Präsidentinnen sagt Trinidad: «Wir entzünden das Feuer.» Und Paula: «Wir unterstützen das Zusammenleben, indem wir es strukturieren und gestalten.» Dabei hilft ihnen ein grosser Vorstand. Von den Mietenden erleben sie viel Dankbarkeit dafür und sind froh darüber.

Wie steht es mit Konflikten?

«Natürlich haben wir immer wieder Diskussionen über bestimmte Themen. Beim Gemeinschaftsraum zum Beispiel kommen sie in Wellen», erläutert Paula. «Soll er frei zugänglich sein oder nur auf Reservation? Wie sauber muss er nach Gebrauch geputzt werden? Wer verfügt über einen Schlüssel? Es gibt einfach unterschiedliche Bedürfnisse und Einschätzungen.» Trinidad ergänzt: «Die einen grillieren gerne und oft im Garten, andere stören sich am Rauch. Es ist unsere Aufgabe, zwischen verschiedenen Positionen zu vermitteln.»

Verbindendes Jubiläum

In diesem Jahr wird die Überbauung Elsässerstrasse/Fatiostrasse 20 Jahre alt. Gleichzeitig feiert die Stiftung Habitat ihr 30-jähriges Bestehen – und stellt allen Hausgemeinschaften ein «Miteinander-Budget» für neue Ideen und Aktivitäten zur Verfügung. «Wir haben dazu einen Ideenpitch lanciert», schildert Paula. «An einem Nachmittag trafen wir uns im Gemeinschaftsraum. Wer eine Idee hatte, konnte sie in drei Minuten präsentieren. Dazu gehörten auch ein Umsetzungsvorschlag, eine Kostenschätzung und die Bereitschaft, für das neue Projekt den Lead zu übernehmen. Der Gemeinschaftsraum war voll!» Zwölf Ideen wurden präsentiert, auch von Kindern, und anschliessend gemeinsam bewertet. Drei Projekte machten das Rennen: ein Trampolin für die Kinder (steht bereits im Hof), ein Pizzaofen (wartet auf die Einweihung) und ein Jubiläumsfest (stieg am 22. August). «Zu diesem Fest haben wir auch die ehemaligen Mietenden eingeladen – und viele haben zugesagt!», freuen sich die beiden engagierten Frauen.

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